Zentrum für LKG-Spalten

Kieferwachstum und -Entwicklung

Wachstum und Entwicklung

Der Kiefer- Gesichtsbereich macht in den ersten Lebensmonaten und -Jahren eine enorme Entwicklung durch. Eine Grundtatsache dieser Entwicklung ist die Verlagerung des gesamten Oberkieferkomplexes von den Schädelstrukturen weg nach vorne und unten. Der Unterkiefer wächst ebenso stark. Solch intensives Wachstum kann aber nur ablaufen, wenn die Gesichtsweichteile (vor allem Haut und Muskeln) entsprechend mitwachsen.

Der Oberkiefer-Zahnbogen erreicht im Bereich vor den ersten bleibenden Backenzähnen (=6-Jahr-Molaren) schon im Alter von etwa 4 Jahren praktisch seine endgültige Grösse. In den späteren Jahren erfolgt noch Knochen-Anbau in der Verlängerung der Zahnreihe, damit auch noch die zweiten bleibenden Backenzähne (im Alter von ca. 12 Jahren) und evtl. die Weisheitszähne Platz für ihren Durchbruch finden.

Auch das Gaumensegel wächst in den ersten zwei Lebensjahren sehr intensiv und erreicht im Alter von 18 Monaten bereits 70% seiner endgültigen Länge.

Gesichts- und Kieferwachstum stehen aber auch in Beziehung zum allgemeinen Körperwachstum und können erst im Alter von rund 20 Jahre als einigermassen abgeschlossen gelten (bei jungen Männern gelegentlich auch erst später, bei jungen Frauen teils etwas früher). Die Qualität der Behandlungsresultate sowohl bezüglich Gesichtsprofil, Kiefer- und Zahnstellung, wie auch Sprachqualität kann deshalb erst im Alter von 17-20 Jahren abschliessend beurteilt werden.

Störung bei LKG-Spalten?

 Die Frage, ob Wachstum und Entwicklung des Kiefer- Gesichtskomplexes bereits durch die Tatsache einer "Spalte" beeinflusst werden, ist nicht endgültig geklärt. Untersuchungen an Personen mit unbehandelten Spalten sprechen dafür, dass sowohl Ober- wie Unterkiefer im Mittel etwas kleiner sind als im Bevölkerungsdurchschnitt. Punkto Entwicklung des Gesichtsprofils zeigen Unbehandelte (mit Ausnahme von Individuen mit totalen beidseitigen LKG-Spalten) aber relativ wenig auffällige Profile. Dies steht im Gegensatz zum sattsam bekannten, "eingefallenen" Gesichtsprofil älterer Personen mit operierten Spalten. Vieles spricht dafür, dass ungeeignete chirurgische Eingriffe langfristig Störungen der Kiefer- und Gesichtsentwicklung verursachen können. Es stellt sich deshalb die Frage nach besonders empfindlichen Strukturen und Entwicklungsphasen bzw. nach mehr oder weniger risikoträchtigen Eingriffen.

Ein Kernproblem der chirurgischen Behandlung von Lippen- Kiefer- und/oder Gaumen-Spalten liegt darin, dass Eingriffe in einer Zeit intensivsten Wachstums erfolgen müssen, um die nötigen Voraussetzungen für eine gute Sprechfunktion zu schaffen. Narben, die auch bei sorgfältigster Operationstechnik nicht völlig zu vermeiden sind, können aber in der extrem dynamischen Wachstums-Phase des Säuglings- und frühen Kleinkindesalters nicht sicher mit der Entwicklung ihrer Umgebung mithalten. Es muss also sehr sorgfältig überlegt werden, wann und in welchem Bereich operiert werden darf, um das Risiko von langfristigen Störungen des Kiefer- Gesichtswachstums so gering wie nur möglich zu halten. In jedem Zentrum, wo Kinder mit Spalten behandelt werden, muss für diese Fragestellung im Gespräch zwischen den Fachleuten eine Lösung gefunden werden, hinter der jeder Einzelne stehen kann. (vgl. "Behandlung generell")

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