Nahrungsaufnahme bei Neugeborenen und Säuglingen
Mögliche Probleme
Bei reinen Lippen-(Kiefer-)Spalten
Reine Lippen- (Kiefer-) Spalten verursachen keine Probleme für die Nahrungsaufnahme, Trinken an der Brust oder von der Flasche wie auch später das Essen von Brei sind problemlos möglich.
Bei (Lippen- Kiefer-) Gaumen- Spalten finden sich zwei Probleme:
- Es kann beim Trinken kein oder nur ein schwaches Vakuum in der Mundhöhle gebildet werden. (vgl. Anatomie, mögliche Fehlfunktionen).
- Es kann Nahrung direkt in den Nasenraum gelangen. Dies ist nicht sehr schlimm, da sie durch den Niesreflex wieder hinausbefördert wird, und die Nasenschleimhaut zudem mit unzähligen feinen, beweglichen Härchen versehen ist, welche Fremdmaterial und Schleim nach hinten abtransportieren. Längerfristiges, wiederholtes Eindringen von Nahrung in den Nasenraum kann möglicherweise der Entstehung von Entzündungen im Bereich der Verbindung Rachenraum-Mittelohr Vorschub leisten. Bei sehr unvorsichtigem Vorgehen kann evtl. Nahrung in die unteren Luftwege gelangen, d.h. aspiriert werden.
Diese Probleme können mit geeigneten Hilfsmitteln weitestgehend beherrscht werden.
Hilfsmittel
In der Literatur wird eine Vielzahl von zum Teil recht komplizierten Hilfsmitteln für die Ernährung von Kindern mit "Spalten" empfohlen. Neugeborene mit Lippen- (Kiefer-) Spalten brauchen keinerlei spezielle Hilfsmittel für die Ernährung.
Bei (Lippen- Kiefer-) Gaumen- Spalten ist in der Neugeborenenperiode die durch Nase oder Mund eingeführte Magensonde ein sicheres Hilfsmittel für genügende Nahrungszufuhr ohne Risiko von Aspiration. Sie soll aber nur für möglichst kurze Zeit zur Anwendung kommen. Möglichst bald nach Geburt angepasst, leistet eine Trinkplatte gute Dienste.

Kind in Rückenlage, mit Kopf nach unten. Diese Position erlaubt Einblick in den Rachenraum (Kontrolle des Luftweges ) während der Abdrucknahme.
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Halt der Platte / Akzeptanz
Nach kurzer Angewöhnungszeit hält die Platte dank genauer Passform. Prothesenhaftmittel sind nicht nötig. Bei starkem Weinen kann die Platte herausfallen; Kinder von 3 bis 6 Monaten benutzen sie zeitweise als Spielzeug. Ein Verschlucken oder Aspirieren der Platte ist rein von ihrer Grösse her nicht zu befürchten. |
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Trinkplatte
Die Platte ist ähnlich geformt wie eine Zahnprothese, reicht aber mit einem Fortsatz bis zwischen die beiden Hälften des Halszäpfchen, um den Mundraum bestmöglich gegen die Nase abzudichten. Sie besteht im Wesentlichen aus einem flexiblen Kunststoff, ist aber auf der Mundseite mit einer Schicht von hartem Material versteift. Damit wird garantiert, dass sich die Abstützung auf das robuste Zahnfleich beschränkt, und die zarte Nasenschleimhaut geschont wird. Nach der Fein-Anpassung in den ersten Lebenstagen treten deshalb keine Druckstellen mehr auf. |
Solche Platten gab es bereits Ende des 19.Jh. Aus Materialgründen kamen sie aber erst mit der Einführung von Kunststoffen in die Zahnmedizin in den 1950er-Jahren zu allgemeinerer Verwendung. Auch hier werden je nach Klinik unterschiedliche Modelle verwendet (auch unter dem Namen Gaumenplatte oder Obturatorplatte).
In Zürich kommen Platten für Neugeborene seit 1957 zum Einsatz. Das aktuell verwendete Modell [Abb] steht seit ca. 1972 in Gebrauch. Es hält im Mund (ähnlich einer Totalprothese) rein durch gute Passform und Adhäsion dank einer Speichel-Zwischenschicht. Irgendwelche Haftmittel sind unnötig. Diese Art der Platte gewährleistet eine weitestgehende Abdichtung zwischen Nasen.- und Mundraum, bis hin zu den beiden Hälften des Halszäpfchens. Sie erlaubt es auch, durch Schleifkorrekturen auf der „Innenseite“ der Platte und durch Heraushalten der Zunge aus der Gaumenspalte, die spontane Kieferentwicklung in Richtung Normalisierung zu lenken. Weitere spezielle Hilfsmittel sind unnötig.


