Zusätzliche Störungen?
In der Regel sind bei Neugeborenen mit Lippen-(Kiefer-) und/oder Gaumenspalten alle Anteile von Nase Lippe und Gaumen vorhanden.
Es ist also alles Material da, aber die einzelnen Elemente sind durch das Ungleichgewicht der Gesichtsmuskulatur bzw. durch die Einlagerung der Zunge in die Gaumenspalte zur Seite verlagert.
Beim weitaus grössten Teil der Betroffenen liegt die Lippen-(Kiefer-)Spalte und/oder Gaumenspalte als einzelne, örtlich begrenzte Störung vor. In etwa 20 Prozent der Fälle finden sich weitere Störungen von unterschiedlichem Schweregrad. Solche zusätzlichen Störungen werden in der Regel schon in der Neugeborenenperiode erkannt und können zum grossen Teil erfolgreich behandelt werden. Ebenso wie LKG-Spalten können zusätzliche Störungen oft auch bereits bei vorgeburtlichen Ultraschall-Untersuchungen ab der 16.-17. Schwangerschaftswoche erkannt werden.
Zur oft unausgesprochenen Frage, ob bei Kindern mit "Spalten" Defizite bezüglich Intelligenz zu befürchten seien: In früheren Jahrzehnten fielen viele Leute mit operierten (Lippen-Kiefer-) Gaumenspalten dadurch auf, dass ihre Sprache schlecht verständlich war, und sie auch schlecht verstanden, was um sie herum vorging. Sie galten deshalb als wenig intelligent. In Tat und Wahrheit waren aber ihre schlechte ("näselnde") Sprechweise wie auch ihr schlechtes Gehör Folgen ungenügender Gaumensegelfunktion bei fehlender oder inadäquater operativer Versorgung der Gaumenspalte. Bei geeigneter Behandlung darf heute für die weitaus meisten Kinder mit "Spalten" eine intellektuelle Entwicklung im selben Rahmen wie in der allgemeinen Bevölkerung erwartet werden. Ebenso eine gute Eingliederung im sozialen, schulischen und beruflichen Umfeld.
In seltenen Fällen kann im Bereich der Gesichts-Mittelline ein Gewebe-Defizit vorliegen. Dieses ist beim Neugeborenen erkennbar und bedingt eine aufwendigere Behandlung in den späteren Behandlungsphasen.
In vereinzelten Fällen sind Spalten nur ein Teilbefund im Rahmen schwerer und komplexer Störungen (sog. Syndrome), welche unter Umständen auch die intellektuelle Entwicklung beeinträchtigen. Diese speziellen Fälle werden in aller Regel bereits vorgeburtlich oder in der Neugeborenenperiode erkannt.
